Konvent von behinderten SeelsorgerInnen und BehindertenseelsorgerInnen e.V.
Stellungnahme zur Gehörlosen- und Schwerhörigen-Seelsorge
Resolution beschlossen
am 01.September 2007 auf der Jahreshauptversammlung des kbs
Der kbS beobachtet auf der Ebene der Kirchenleitung mit
Erstaunen und Erschrecken eine Tendenz, Gehörlosen-
und Schwerhörigen-Seelsorge zu koppeln und dabei Stellen einzusparen.
Jüngstes Beispiel ist die Kirche von Berlin-Brandenburg und der Schlesischen
Oberlausitz. Solche Sparmaßnahmen gegen den Rat aller Fachleute und Betroffenen
werden vermutlich dazu führen, dass die Betroffenen sich von der Kirche
abwenden, weil sie das Gefühl haben, dort nur als Problem gesehen zu werden,
und eben nicht als lebendige Glieder am Leib Christi, deren Zugehörigkeit zur
Gemeinde freudig begrüßt wird.
Beide Gruppen unterscheiden sich fundamental. Gehörlose haben eine eigene
Kultur mit eigener Sprache(Deutsche Gebärdensprache DGS mit eigener Grammatik,
die nicht der gesprochenen Sprache entspricht) und sind primär an der Welt der
Gehörlosen orientiert, während Schwerhörige je nach Grad, Art und Zeitpunkt des
Auftretens der Schwerhörigkeit ganz oder teilweise in der Welt der
„Normalhörenden“ integriert sind oder sein wollen und unter Differenz erheblich
leiden. Während Gehörlose einen eigenen Gottesdienst mit speziell geschulten
Pfarrern brauchen, fragen Schwerhörige nach technischen Hilfsmitteln (z.B.
funktionierende Induktionsschleifen) und Pfarrern, die deutlich artikulieren.
Die Unterschiede sind genügend oft von Fachleuten beschrieben.
Wir finden es ärgerlich, dass daraus nicht die nötigen Konsequenzen gezogen
werden. Der Verdacht legt sich nahe, dass hier der Weg des geringsten
Widerstandes begangen wird, statt den Geringsten geschwisterlich zu begegnen.
Da Schwerhörigkeit eine mit sehr viel Scham besetzte Behinderung ist, muss man
von dort nicht mit Protesten rechnen und nimmt stattdessen lautlos, enttäuschten
Rückzug in Kauf.
Im kbS haben wir Mitglieder, die schwerhörig sind, und Gehörlosen- und
Schwerhörigen-SeelsorgerInnen, zum Teil ausgewiesene Fachleute.
Wir bieten den Kirchenleitungen an, die Erfahrung und Kompetenz unseres
Konvents in Fragen der verschiedenen Behinderungen in Anspruch zu nehmen.
Wir fordern die Kirchenleitungen auf, dem Beispiel der
EKD zu folgen und zwischen Gehörlosenseelsorge uns Schwerhörigenseelsorge zu
differenzieren und beide als klar profilierte und eigenständige Bereiche der Seelsorge
zu entwickeln und zu erhalten.