Konvent von behinderten SeelsorgerInnen und BehindertenseelsorgerInnen e.V.
Behinderte PfarrerInnen in die Gemeinden!
Verlautbarung von der Konventstagung in Hamburg Rissen im September 1998
Behinderte Pfarrerinnen und Pfarrer sind ein Schatz der Kirche. In existentieller Weise müssen sie sich mit der Begrenztheit des menschlichen Lebens auseinandersetzen. Sie bereichern das Leben in den Kirchen und in den Gemeinden und bringen neue Sichtweisen und Anstöße.
Eine contergan-behinderte Pfarrerin mit kurzen Armen kann den Konfirmanden bei der Einsegnung die Hände nicht selber auflegen und bittet die Paten, dieses an ihrer Stelle zu tun. Das Beispiel macht in der Gemeinde Schule.
Ein sehbehinderter Pfarrer wird von den Konfirmanden zum Unterricht abgeholt.
So entsteht diakonische Gemeinde, und der Pfarrer ist nicht nur der Gebende, sondern auch der Empfangende. Das allgemeine Priestertum der Gläubigen nimmt konkrete Gestalt an – im Gottesdienst und im Alltag.
Wir wünschen uns mehr institutionelle Unterstützung durch Kirchenleitungen und Gemeinden, indem sie behindertengerechte Arbeitsplätze für Pfarrer und Pfarrerinnen schaffen. Dabei soll nicht der Mensch dem Amt, sondern das Amt dem Menschen angepaßt werden, damit alle ihre Gaben in der Gemeinde einbringen können. Mit Phantasie und Kreativität lassen sich neue Arbeitsplatzmodelle, wie etwa Tandemarbeitsplätze einrichten. Dort arbeiten ein behinderter und ein nichtbehinderter Mensch zusammen.
Der Konvent von behinderten SeelsorgerInnen und BehindertenseelsorgerInnen sammelt und reflektiert Erfahrungen behinderter Kolleginnen und Kollegen. Er unterstützt Kirchenleitungen, Gemeinden und KollegInnen, die oben genannten Ideen umzusetzen.
Hamburg, den 26. September 1998
gez. Wolfgang Döring
Wie können Gemeinden davon überzeugt werden, Kolleginnen oder Kollegen mit Behinderung als ihre GemeindepastorInnen oder -pfarrerInnen zu wählen? Vielleicht haben Sie Ideen. Oder kennen Sie eine Gemeinde, die einen behinderten Pastor oder eine behinderte Pfarrerin als Gemeindehirten haben? Schreiben Sie uns.