Konvent von behinderten SeelsorgerInnen und BehindertenseelsorgerInnen e.V.
Lieber Arm ab als arm dran
Ein Buch von Rainer Schmidt
Zum Titel
Der
Titel ist provokant und doppeldeutig. Das Zitat lieber Arm ab, als arm dran
ist von meinem Bruder Edgar. Es passt in mehrfacher Hinsicht zu meinem Leben
und zu diesem Buch.
Zum einen lehnt der Titel einen zwingenden Zusammenhang zwischen meiner
Behinderung und meinem Befinden ab. Ja, beide Unterarme fehlen mir seit meiner
Geburt, doch hat dies nicht (und schon gar nicht automatisch) dazu geführt,
dass ich arm dran bin.
Wenn ich die Wahl hätte zwischen fehlenden Armen und arm-dran-Sein´, ich würde
zweifelsohne die fehlenden Arme vorziehen. Meine Behinderung hat längst ihre
Schrecken verloren und sie belastet mich weit weniger, als allgemein angenommen
wird. Es heißt übrigens bewusst lieber´ und nicht besser Arm ab. Aus meiner
subjektiven Sicht ist es mir lieber, keine Unterarme zu haben, mich aber nicht
arm dran´ zu fühlen. Für andere Menschen mag ein Leben nur mit Oberarmstümpfen
die reinste Katastrophe sein. Daher sage ich nicht, dass es grundsätzlich
besser ist, Arm ab zu haben, als arm dran zu sein. Am liebsten wäre es mir
natürlich gewesen, ich hätte Arme und wäre auch nicht arm dran. Wenn aber
eines von beiden Wirklichkeit ist, dann ist mir Arm ab´ lieber.
Meine These
In
diesem Buch vertrete ich die These, dass es keinen grundsätzlichen Unterschied
von Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung gibt. Ja, ich halte
diese Einteilung nicht nur für falsch, sondern sogar für schädlich. Leider
haben wir uns so sehr an diese Aufteilung gewöhnt, sie ist uns so
selbstverständlich geworden, dass sie uns schon Natur gegeben erscheint. Wir
halten sie für die natürlichste Sache der Welt.
Stattdessen meine ich, alle Menschen sitzen im gleichen Boot. Wir sind einerseits
begrenzt, d.h. wir haben Hindernisse und sind andererseits begabt, d. h. wir
haben Möglichkeiten. Behinderung verstehe ich als ein Hindernis unter vielen
anderen, mit denen Menschen leben müssen und leben können.
Mein Anliegen
Mit meinem Buch möchte ich Ihnen Mut machen, sich Ihren Grenzen zu
stellen.
Sicher ist es Klasse, wenn wir eine Grenze überwinden können, etwa indem wir
von einer Krankheit geheilt werden. Manchmal aber werden Grenzen gesetzt, die
wir hinnehmen müssen. Dieses Buch erzählt davon, wie eine gesunde Einstellung
zu unseren Grenzen zum Gelingen des Lebens beiträgt. Meine Behinderung ist nach
dem Schwimmbaderlebnis nicht anders geworden. Anders geworden ist mein Umgang
mit der Behinderung. Meine Angst und Scham ist gewichen.