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Konvent von behinderten SeelsorgerInnen und BehindertenseelsorgerInnen e.V.


Gottfried Lutz: Satire

Vorsicht Satire!     Vorsicht Satire!    Vorsicht Satire!    Vorsicht Satire!     Vorsicht Satire!

„Wer hat, dem wird gegeben“ oder „Haben, als hätte man nicht“?

! Es war einmal.., nein! Es ist kein Märchen, es ist Realität.
? Was denn?
! Zum Beispiel, dass unser Staat bei den Armen eher spart als bei den Reichen.
? Dort kommt auch mehr zusammen. Kleinvieh macht auch Mist. Lieber zehn arme Spatzen auf der Hand, als eine fette Taube auf dem Dach – denn die fliegt bestimmt nach Liechtenstein ab.
! Tauben und Spatzen! Ich ärgere mich über Mäuse, Kirchen-Mäuse.
? Wie macht´s die Kirche mit ihren Mäusen?
! Die werden immer magerer. Deshalb sparen die.
? Glauben die nicht mehr an Wunder? Brotvermehrung, 7 magere und 7 fette Kühe – oder so?
! Die sind schon lange gestrichen. Aus der schöne Traum. Unternehmerischer Realismus ist angesagt.
? Zum Beispiel?
! Das wollte ich ja erzählen, aber es glaubt mir keiner!
? Weil es ein Märchen ist?
! Nein, weil es Realität ist! Und jeder sagt: das darf doch nicht wahr sein.
? Also eine märchenhafte Art von verlogener Realität?
! So ähnlich. Auf jeden Fall ein sagenhafter Realismus, ungelogen! „Die Beteuerung, ihre Arbeit auf einem bestimmten Gebiet der Seelsorge an Menschen mit Behinderungen sei für die ganze EKD vorbildlich und dürfe deshalb nicht allein aus finanziellen Gründen geschlossen oder wesentlich reduziert werden, lässt den Schluss zu, hier werde zu viel getan (denn die anderen tun ja weniger), und deshalb müsse gerade hier gestrichen werden.“ Der Satz stimmt nicht wörtlich; mir war vor Schreck über diese unübertreffliche Logik der Bleistift aus der Hand gefallen und ich konnte erst zehn Minuten später wieder schreiben.
? Das heißt doch: Wer gute Arbeit macht, ist selber schuld, wenn er keine Mittel kriegt!
! Genau: Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück!
? Steht das in der Bibel?
! Nein, aber die folgende Geschichte.

 

Der barmherzige Samariter
(frei nach Lukas 15)
25 Und siehe, da stand ein kirchenleitender Mann auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass die Kirche ewig weiterlebt? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht in euren theologischen Büchern geschrieben? Was liest du? 27 Er antwortete und sprach: »Bei Bonhoeffer z.B., sie sei nur Kirche, wenn sie für andere da sei. 28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tut das, so wird sie leben. 29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer sind denn die anderen? Und meinte damit: Wir haben kein Geld mehr - für die anderen .
30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch mit einer Behinderung. Der ging von Arzt zu Arzt und von Amt zu Amt und fiel dabei unter die Räuber; die nahmen ihn aus nach Tabellen und vorschriften, schlugen ihn mit billigen Ratschlägen und ließen ihn laufen, ohne ihm zu helfen.

31 Es traf sich aber, dass ein Pfarrer dieselbe Praxis besuchte, vorher drankam und ihn gar nicht erst sah. Das Problem ging an ihm vorüber. 32 Desgleichen auch ein Kirchlicher Finanzrat: als er zur betreffenden Haushalts-Stellekam und die Unterdeckung sah, ging er mit dem Rotstift drüber.

33 Einen Ausschussvorsitzenden aber, einen "Laien", der unterwegs war zum Büro seines Ausschusses, sprach der Mensch mit Behinderung an. Und es jammerte ihn; 34 und er ging zu ihm, schaute ihn mitleidig an und sagte zu sich selbst: Die anderen beiden haben noch viel weniger getan als ich - man könnte mich bestrafen wegen unverhältnismäßiger Hilfeleistung. Und Bonhoeffers Kirche für andere, die gilt bestimmt nicht für ihn, sondern für ..., für wen wohl? Für andere!  In seinem Büro ließ er eine Akte anlegen über den Fall und rief ins Wartezimmer: „Der Nächste, bitte!“ Aber es kam keiner mehr.

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