Kann so ein Leben anders als schrecklich sein? Ich selbst konnte es mir sehenden Auges nie
anders vorstellen als jenes schwarz gekleidete Schreckgespenst. Es ist anders. Aber wenn ich
heute sage, dass mein erstes Leben nur eine Vorbereitung und erst das zweite erfüllt war,
schütteln die Leute den Kopf.
Eine junge Frau mit hochfliegenden Plänen: In der Schule ist ihr alles zugefallen, der Start
ihrer wissenschaftlichen Karriere an der Uni war vielversprechend. Dann erblindet sie. Ein
Sturz in die Tiefe. Eine Katastrophe. Aber auch der Beginn von Leben Nummer 2. Ein Leben, das
ihr nicht weniger gefällt als ihr erstes Leben. Dabei ist Susanne Krahe nicht einfach ein
Stehaufmännchen. Sie deutet auch nichts um und verzichtet - gerade als Theologin - auf jedes
fromme Mäntelchen. Was ihre Autobiografie bestimmt, ist ihr Humor und ihr Talent, Dinge
sprachlich zu fassen und zu gestalten. Auch als klar wird, dass die Erblindung nur der Anfang
war, als sie Dialysepatientin wird, als ihr durch eine Transplantation ein neues, noch einmal
ganz anderes Leben geschenkt wird... Susanne Krahes Lebensgeschichte ist kein
Mutmach-Mitbringsel fürs Krankenbett. Aber ein Buch, das Augen öffnen kann. Für unser
einzigartiges Leben, das unbedingt lebenswert ist.
In
dem Roman „Markus, der Zweifler“ begibt sich die blinde Theologin Susanne Krahe
auf die Spuren des Evangelisten Markus und macht erstaunliche Entdeckungen
(Neukirchen-Vluyn,
31. August 2009)
In
dem jüngst im Neukirchener Verlag erschienenen Roman „Markus,
der Zweifler“ überzeugt die erblindete Theologin Susanne Krahe durch ihre besondere
Sicht der Dinge. Gemeinsam mit dem Evangelisten Markus begibt sie sich zu den
Originalschauplätzen der Jesusgeschichten. Dabei spürt sie den Lieblingsideen
des Evangelisten nach und kommt als Kind der Moderne neu mit ihm ins Fragen. Besonders
als er die geheilte Tochter einer griechischen Frau, die als „Hündin“ berühmt
ist, und den blinden Bartimäus trifft, treten neue Fragen zu Tage. Und mit den
Fragen ungewohnte Erkenntnisse. Was steckt hinter den Heilungsgeschichten, die
sich wie ein Lauffeuer verbreitet haben? Was tragen Augen- und Ohrenzeugen zu
den Überlieferungen bei? Und was wäre, wenn Glaube vor allem dort beginnt, wo
Wunder ausbleiben?
Das
Evangelium des Markus gilt als das älteste der vier Evangelien und soll den
anderen Evangelisten als Vorlage gedient haben. Doch was wissen wir über den
Verfasser und sein Werk? Susanne Krahe rekonstruiert die Lebensgeschichte des
Evangelisten Markus,
dem gebildeten Juden, der von seiner Gemeinde entsandt wurde, an den
Originalschauplätzen zu recherchieren.
Alle,
die biblische Texte lieben, werden in diesem Roman neue, faszinierende Einsichten
finden. Über das Leben mit Krankheit, die Folgen von Heilung und in allem über das
Wesen des christlichen Glaubens.
Aug' um Auge, Zahn um Zahn? - Beispiele biblischer Streitkultur
"Christen streiten sich nicht" - Von wegen! Während dieser kategorische
Standpunkt mit Verweis auf die Urkirche schon in mancher Gemeinde die
kritischen Geister zum Schweigen gebracht hat, offenbaren die biblischen
Schriften eine Fülle von Streitfällen - und Ansätzen, damit umzugehen. Die
Palette ist bunt. Sie reicht von Konflikten eher privater Natur (Kain und
Abel), Konflikten im Kontext von Recht und Tradition (Jesus und die
Sabbatvorschriften), über solche um Glaubensfragen (Petrus gegen Paulus) bis
hin zu Auseinandersetzungen mit Gott selbst (Hiob). Die Wahrheit des
Evangeliums, ist es wert, um sie zu streiten; aber sie ist überlegen genug,
um nicht auf Biegen und Brechen ihr Recht auch durchsetzen zu müssen.
ca. 140 Seiten, 2005 - Echter Verlag, ISBN: 3-429-02669-5, Preis: 12,80 €
Der defekte Messias
Susanne Krahes Messias ist kein perfekter Held. Er ist ein Leidender und als solchen stellt sie den "defekten Messias" aus der Titelgeschichte ihres neuen Erzählungenbandes in eine Reihe mit den anderen beschädigten, skurrilen, aber auch komischen Protagonisten ihrer Geschichten, welche die existentiellen Fragen der Bibel literarisch neu formulieren. 15 alternative Passionserzählungen führen die alltäglichen Leiden und Leidenschaften dieser Figuren vor: den lakonischen Monolog der 100-jährigen Lisabetha z.B., die von der Idee besessen ist, auf einen Flug über die Datumsgrenze ihren Todestag verpasst zu haben. (Für diese Erzählung erhielt Susanne Krahe im Sommer 2001 den Robert-Geisendörfer-Preis). Allerdings sind diese Charaktere nicht nur in den Passionen des Alltags unserer Postmoderne gefangen, sondern kennen auch die "an die Kette gelegte Sehnsucht nach Aufbruch".
Das Wort "Gott" kommt im Vokabular dieser literarisch ausgefeilten Erzählungen nur selten vor. Aber die KennerInnen unter den LeserInnen werden ihre Freude an zahlreichen biblischen Anspielungen haben: an Kreuzigungsszenen im Pfarrgarten, an entlarvten unbarmherzigen Samariterinnen und an Vaterfiguren, die ihre Töchter und Söhne das Fürchten lehren. In diesen Erzählungen beweist Susanne Krahe einmal mehr, dass die alten biblischen Themen von Leiden, Abhängigkeit, Schuld und Erlösung universal und von verblüffender Aktualität sind.
Rahels Rache
Biblische Provokationen
Susanne Krahe versucht, Literatur und Theologie (Exegese) miteinander zu verbinden. Beide bieten die Möglichkeit, Leben zu erfahren und zu deuten. Und beide haben mit derselben Wirklichkeit zu tun. Mit ihren Verfremdungen biblischer Motive, in denen sie die elementaren Lebenserfahrungen heutiger Menschen zur Sprache bringt, trifft die virtuose Erzählerin das Lebensgefühl von Menschen, die sich den Daseinsfragen nicht verschließen, aber den herkömmlichen Verkündigungsformen und dogmatischen Antworten der Kirche nicht mehr trauen. Die in diesem Band vorliegenden literarischen Exegesen bieten einen Querschnitt durch das Alte und das Neue Testament.
Adoptiert: Das fremde Organ Transplantation als Grenzerfahrung
Organtransplantationen - heute Medizinische Routine und gesellschaftliche Normalität. Doch was bedeutet es für einen Menschen, wenn er das Organ eines Fremden in sich aufnimmt?
Susanne Krahe lässt ihre Leser teilhaben an einer faszinierenden Reise durch die lebensgeschichtlichen, psychologischen und philosophischen Tiefen und Untiefen dieser Grenzerfahrung Transplantation: von chronischer Krankheit über Todesnähe bis hin zu einer geschenkten, neuen Lebenszeit.
Transplantation: Was bedeutet es, das Organ eines fremden Menschen in Körper, Denken und Handeln zu integrieren?
Ein sensibler Erfahrungsbericht über das Leben »zu zweit« von literarischer Virtuosität!
Ermordete Kinder und andere Geschichten von Gottes Unmoral
"Ein fesselndes Buch", so Waltraud Herbstrith in "Christ in der Gegenwart"; "Ein Musterbeispiel geistlicher Schriftlesung auf der Grundlage eines hellen Verstandes und einer großen Liebe zur Heiligen Schrift", so Thomas Söding im "Rheinischen Merkur" - zwei von vielen Stimmen zu Susanne Krahes letztem Buch "Die Letzten werden die Ersten sein".
Auch in dieser Arbeit greift Susanne Krahe ein großes - und heißes - Thema auf: die Frage nach der Unmoral Gottes. Oder wie sonst soll man es bezeichnen, daß der Gott der Bibel unschuldige Kinder opfern lässt, heilige Kriege führt, ohne jedes Maß straft und Sühne fordert, Recht und Gerechtigkeitsforderungen missachtet?
Andererseits: Geht es hier überhaupt um Moral? Ist ein Gott, der in diesen Kategorien greifbar ist, ein Gott ohne dunkle Seiten, nicht eine bloße Projektion? Bewahren uns nicht gerade die Risse und Brüche davor, uns dem Geheimnis des Lebens auf allzu bequeme Weise zu entziehen?
Susanne Krahe nähert sich diesen Fragen auf mitreißende und theologisch versierte Weise.
Die Letzten werden die Ersten sein -
Das Umkehrungsprinzip in der Bibel
"Die Letzten werden die Ersten sein". Mit diesem Satz wird bildhaft umschrieben, was man auch als das Umkehrungs- oder Überraschungsprinzip in der Bibel bezeichnen kann: Plötzlich stehen die eingefahrenen Ordnungen auf dem Kopf; passiert das, womit niemand rechnen konnte; werden alle Urteile, die auf Moral, Sitte und Gerechtigkeit zu basieren scheinen, in den Rang des Vorläufigen verwiesen; überholt Gottes eigene Moral, seine anders geartete Gerechtigkeit und barmherzige Freiheit unsere gültigen Maßstäbe.
In bildkräftiger, packender Sprache folgt Susanne Krahe den Spuren dieses zentralen Motivs quer durch die Überlieferungsgeschichten der Bibel. Dabei wird deutlich: Dieser Satz - vielfältig vorbereitet in den alttestamentlichen Geschichten - gehört zu den Grundpfeilern urchristlichen Gedankenguts, ja man kann ihn geradezu als "Evangelium in Reinform" verstehen. Nie blieb er unwidersprochen, aber nirgendwo sonst zeigt sich der Heilswille Gottes vitaler als hier.